Eins, zwei, drei - Ab heute gibt es Brei - Madame M. - Geschichten aus dem Mama-Alltag

Eins, zwei, drei - Ab heute gibt es Brei

Alles ist grün. Es riecht nach Brokkoli. Und irgendwo dazwischen eine quietschvergnügte Madame, die ihre Hände nach mehr ausstreckt. Ja, Ma...

Alles ist grün. Es riecht nach Brokkoli. Und irgendwo dazwischen eine quietschvergnügte Madame, die ihre Hände nach mehr ausstreckt. Ja, Madame hat angefangen zu essen. Brokkoli püriert - äußerst delikat.
 

Ich schiebe das Thema Beikost schon länger vor mir her. Es bereitet mir sogar etwas Bauchweh, wenn ich daran denke. Madame ist sicher noch nicht bereit dafür, habe ich mir immer gesagt. Doch in Wirklichkeit bin ich diejenige, die noch nicht  bereit ist. Ich bin noch nicht bereit, Madame in ein klein wenig mehr Unabhängigkeit zu entlassen. Sie ist doch noch mein kleines Mädchen. Etwas egoistisch bin ich auch: ich bin nicht bereit mehr Sport zu machen um meinen jetzigen Kalorienbedarf aufrecht zu erhalten, denn weniger Essen möchte ich auf keinen Fall.
Madame ist es auf jeden Fall. Denn in den letzten Wochen hat sie uns beobachtet. Oder besser gesagt studiert. Jede einzelne Bewegung bei Tisch. Sabbernd, mit gierigem Blick hat sie uns beim Essen zugesehen. Hätte es uns am liebsten weggenommen. Eigentlich ein klares Zeichen,. Ein Zeichen dafür, dass Madame bereit ist. Bereit für mehr. Bereit für Essen.
Aber wann ist man schon bereit? Den passenden Zeitpunkt gibt es nicht. Gibt es nie! Nachdem die Kinderärztin auch noch grünes Licht für Gemüse und Obst gegeben hat, fasse ich mir ein Herz und probiere es aus. Unter kritischen Blicken von Madame werfe ich ein paar Brokkoliröschen ins kochendes Wasser.  Ich bin unsicher, ob das auch genug ist. Ich habe keine Ahnung wie viele ich kochen soll. Wie viel isst ein Baby zum ersten Mal? Wie viel so ein Baby beim ersten Mal essen wird ist mir ein Rätsel. Habe ich mich doch bisher erfolgreich vor dem Thema Beikost gedrückt. Egal, ich werde es schon merken.
Schnell wird der Brokkoli püriert, in ein Schälchen gefüllt und Madame perfekt adjustiert - mit Lätzchen - im Hochstuhl platziert. Madame ist es an den Augen abzulesen, wie sehr sie sich darauf freut zum ersten Mal zu essen. Auch ich kann es mittlerweile kaum noch erwarten ihr den ersten Löffel Brokkolibrei in den Mund zu schieben. Trotz dem komischen Gefühl im Bauch - mein kleines Mädchen schon so groß.

Der erste Löffel Brokkoli landet im Mund. So schnell kann ich gar nicht schauen, wird er wieder ausgespuckt und landet am Boden. Der zweite Löffel geht schon besser. Madame schaut zwar ziemlich skeptisch, aber der Brokkoli, der bleiben drinnen. Madame schluckt brav herunter und öffnet ihren Mund für mehr Brokkoli. Sie isst wirklich brav.

Ich fühle mich wie ein Champion. Keine Ahnung, woher die Horror Geschichten mit rundherum angeschmierten Kindern kommen. Ich zücke mein Handy um mitzufilmen. Der Herr soll schließlich auch daran teilhaben. Madame greift mit Begeisterung zum nächsten Löffel. Alles landet in ihrer Hand und wird von dort weiter verteilt. Im Gesicht, auf den Tisch, auf ihr Kleidchen. Na Bitte, da hätten wirs - Ich habe mich zu früh gefreut. Alles ist grün. Sogar ich.
Memo an mich: Hände für die nächsten Bissen einsperren - und weiter geht's. Madame scheint großen Gefallen am Essen gefunden zu haben. Sie stürzt sich förmlich auf die nächsten Löffel Brokkoli. In mir keimt Panik auf. Wie weiß ich, dass sie satt ist? Nicht, dass ich sie überfüttere. ich versuche mir ihr gegenüber nichts anmerken zu lassen - Kinder spüren ja bekanntlich alles - und gebe ihr den nächsten Bissen. Als könnte sie Gedanken lesen, bleibt ihr Mund zu. So viel ich auch probiere, Madame möchte nicht mehr weiter essen. Da hätten wirs - die Antwort auf meine Frage. Ich bin beruhigt.
Mittlerweile haben wir schon andere Gemüsesorten probiert, die von Madame mit Begeisterung gegessen werden. Sie ist ein kleiner Gemüsetiger. Mein Gemüsetiger.




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2 Kommentare

  1. Schön, dass es bei euch auch so gut klappt. Die Kinder geben einem zum Glück wirklich gute Zeichen und man macht sich eigentlich immer zu viele Gedanken. Mir geht es übrigens wie dir: das Kind ist längst bereit für den Beikoststart, aber ich nicht. Liebe Grüße, Antonia

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  2. Gemüsetiger, wie lieb! :-)
    Wir haben in den letzten Tagen auch mit Brei begonnen, allerdings gab es hier versuchshalber Möhren aus dem Gläschen. Kam gut an, jetzt kann es mal a) mehr und b) was anderes geben. Eine spannende, neue Zeit beginnt.
    Herzlicher Gruß
    Carmen

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