Kleine Madame ganz groß - Alleine bei der Tagesmutter - Madame M. - Geschichten aus dem Mama-Alltag

Kleine Madame ganz groß - Alleine bei der Tagesmutter

Die kleine Maus ganz groß. Geht jetzt zur Tagesmutter. Ganze dreimal die Woche. Mein großes Mädchen. Der Anfang war nicht einfach. Vor al...


Die kleine Maus ganz groß. Geht jetzt zur Tagesmutter. Ganze dreimal die Woche. Mein großes Mädchen. Der Anfang war nicht einfach. Vor allem nicht für Mama und Papa.



Flashback:
Der Plan ist eigentlich ein anderer. Ein Krippenplatz soll es werden für unsere Madame. Also heißt es durch die Gegend tingeln. Von einer in Frage kommenden Krippe zur nächsten, um uns persönlich vorzustellen. Wie das in Graz nun mal so vorgesehen ist. Und dann das: Der heiß ersehnte Brief kommt. Und mit dem Brief die Absage. Für alle drei Einrichtungen. Und das, obwohl ich mir schon siegessicher war. Schließlich erfüllen der Herr und ich ja doch beide die Voraussetzungen für einen Platz. Beide berufstätig. Beide in Ausbildung. Da kann ja nichts mehr schiefgehen. Dachte ich mir zumindest. Aber es kommt immer anders als man denkt.

Jetzt heißt es troubleshooten. Eine Lösung muss her. Denn die Karenz ist bald vorbei. Die Arbeit ruft. Und diese Lösung ist erstaunlicherweise schnell gefunden. Eine Tagesmutter wird es werden. Vermittelt von einer Freundin. Das erste Treffen kommt - die Dame ist uns sofort sympathisch (was mir außerordentlich wichtig ist, denn wenn das Gefühl nicht stimmt, dann kann erst gar nichts draus werden). Auch die Wohnung sagt uns sofort zu. Und Madame, die fühlt sich auch wohl. Demnach kann einem Probemonat ja nichts mehr im Wege stehen.

Der erste Tag kommt. Schneller als erwartet. Und ich bin dicht dabei. Der Herr hat heute das Bringen und Holen übernommen. Der hat nämlich Zeit, während ich schon in der Arbeit sitze. Wie auf Nadeln. Starre unentwegt auf das Display von meinem Handy. Und warte. Und warte. Auf Berichterstattung vom Herrn. Dann endlich – das Telefon klingelt. Madame geht’s gut. Hat die Trennung ganz gut weg gesteckt. Ich atme auf. Ganz anders der Herr. Der ist traurig. Traurig, dass sie so einfach mitgegangen ist. Ohne sich zu beschweren. Ohne sich auch nur einmal nach ihm umzudrehen. Ich kann das nicht ganz nachvollziehen. Ist doch schön, wenns ihr so leicht fällt, oder?

Der nächste Tag. Heute bin ich dran mit Bringen und Holen - das volle Programm. Ich freue mich. Langsam steigen wir die Stiegen empor. Ich bin aufgeregt. Werde immer nervöser, je weiter wir nach oben kommen. Madame lässt sich nichts anmerken, während sich in mir mein Magen umdreht. Irgendwie komisch. Ich kann mir meine Gefühle nicht ganz erklären. Es geht ja nur zur Tagesmutter. Wir läuten an der Tür. Sekunden vergehen. Mein Herz klopft mir bis zum Hals. Die Gedanken fliegen nur so durch meinen Kopf. Ich bin gerade dabei, mein Kind einer quasi Fremden anzuvertrauen…

Dann ist es soweit. Die Tür geht auf. Madame wird mit einem Strahlen empfangen. Und meine Zweifel, die sind auf einmal wie weggeblasen. Ich fühle mich sofort wohl. Die Anspannung schwindet. Auch Madame scheint sich richtig wohl zu fühlen. Klammert sich zwar noch ein wenig an mir fest, aber das ihr angebotene Spielzeug überzeugt und so schnell kann ich gar nicht schauen, ist sie auch schon dahin. Einfach um die Ecke gebogen zum Spielen. Und ich stehe einsam in der Tür und bin traurig. Fühle mich verlassen. Nicht einmal umgedreht hat sie sich nach mir. Ich bin einfach abgeschrieben. Eingetauscht gegen andere Kinder und Spielsachen. Ich kann den Herrn verstehen.

Mittlerweile funktioniert das alles richtig gut. Madame hat sich super eingelebt. Auch Mama und Papa haben sich mit der Situation abgefunden, sie nicht mehr dauernd in unserer Nähe zu haben. Madame freut sich jedes Mal und auch ich bin nicht mehr traurig - sehe sie am Nachmittag ja wieder. Und es tut ihr gut. Richtig gut. Ich bin froh, dass wir keinen Krippenplatz bekommen haben. Unsere Tagesmutter ist super. Kümmert sich liebevoll um unsere Madame. Schenkt ihr die Aufmerksamkeit, die sie braucht.  Es ist der  Wahnsinn was sie alles weiter bringt. Auf einmal kann sie selber essen. Ganz alleine. Ohne Hilfe. Spielt richtig toll mit den anderen Kindern und ist viel selbstständiger geworden. Auch der Herr und ich können unserer neu gewonnenen Freiheit viel abgewinnen. Auf einmal kann man wieder Zeit nur zu zweit verbringen (sofern es die Arbeit zulässt – aber immerhin). Und am Abend genießen wir die gemeinsame Zeit mit ihr noch viel intensiver als je zuvor.

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