Blogheim.at Logo Vielen Dank, Herr Polizist! #not - Madame M. - Geschichten aus dem Mama-Alltag

Vielen Dank, Herr Polizist! #not

Ein schöner Samstag Nachmittag am Spielplatz. Sonnenschein und Kinderlachen. Was will man mehr? Alles ist eitel Wonne bis ich es auf einmal...

Ein schöner Samstag Nachmittag am Spielplatz. Sonnenschein und Kinderlachen. Was will man mehr? Alles ist eitel Wonne bis ich es auf einmal bemerke...


Sie ist weg. Meine Geldtasche. Weder im Kinderwagen, noch in meiner Handtasche. Unauffindbar. Mir wird heiß-kalt. Fieberhaft versuche ich zu rekonstruieren wo ich sie zum letzen Mal gesehen habe. Ich überlege. Und überlege. Lasse den Tag Revue passieren: Madame hat geschlafen. Mama war Kaffee trinken und dann etwas einkaufen. Ab dann verläuft sich jede Spur. Es gibt zwei Möglichkeiten...

Die Erste: Scheinbar habe ich in meiner Hektik (Madame hatte Hunger) meine Geldtasche einfach im Geschäft liegen lassen. Das kann schon mal passieren. Trotzdem komisch. Normal vergewissere ich mich nämlich drei Mal ob ich sie auch wirklich wieder eingepackt habe. Egal. Hilft alles nichts. Die Geldtasche ist erst einmal weg.

Die andere Möglichkeit: Sie wurde mir am Spielplatz entwendet. Kann sein, vor allem da ich sie dort eventuell (ich kann mich ja nicht mehr erinnern, ob ich sie dort noch hatte) im Kinderwagen deponiert habe. Ich weiß, nicht gerade unbedingt schlau, aber wer glaubt schon an das Böse im Menschen? Eben.

Auf jeden Fall dumm gelaufen. Egal ob ich sie beim Einkaufen verschlammt habe oder anders. Ich muss auf jeden Fall handeln. Schadensbegrenzung betreiben, oder so ähnlich. Ich rufe sofort bei jenem Geschäft an, wo ich meine Geldtasche zum letzten Mal gesehen habe. Leider. Hier wurde nichts abgegeben. Ich will mich trotzdem selber vergewissern, und mache mich mit einer protestierenden Madame im Schlepptau auf den Weg. Weg vom Spielplatz in Richtung Geschäft. Zehn Minuten später dann die Gewissheit. Nichts. Nada. Hier wurde tatsächlich nichts abgegeben. Keine Geldtasche. Kein Sonstwas. Ich soll mich am Montag wieder melden heißt es. Alles klar. Wäre ja auch zu schön gewesen.

Der nächste Weg: Zur Polizei. Eine Verlustanzeige machen. Immer noch mit Madame im Schlepptau. Der das Ganze so gar keinen Spaß mehr macht. Die möchte lieber selber gehen, als in ihrem Kinderwagen geschoben zu werden. Und das zeigt sie auch. Lautstark. Genau das, was ich jetzt gar nicht gebrauchen kann. Nicht einmal etwas zu essen kaufen kann ich ihr (weil Geldtasche ja weg), um sie so zum Schweigen zu bringen. Ich versuche Ruhe zu bewahren, um die Situation nicht noch schlimmer zu machen. Ein Kampf. Aber es hilft alles nichts. Ich möchte alles so schnell wie nur irgend möglich hinter mich bringen.

Dort angekommen komme ich sofort dran. Zum Glück. Der Polizeibeamte beginnt das Kreuzverhör. Ich soll ihm erst einmal erzählen, was in meiner Geldtasche so alles drinnen war. 'Der Führerschein mal nicht - den hat mir Madame nämlich am Tag zuvor ausgeräumt', beginne ich triumphierend. Immer den Gedanken im Hinterkopf habend, dass ich mich so wenigstens ausweisen kann (Man weiß ja nie). 'Da waren fünf Euro. Meine E-Card. Bankomatkarte. Und. Und. Und. Der Beamte hört mir bis zum Schluss zu, um mich dann freundlich darauf hinzuweisen, dass sie da gar nicht zuständig sind.  Na vielen Dank auch. Denn wenn ich den Führerschein ja eh habe, dann muss ich da sowieso wo anders hin. Nämlich zum Magistrat. Aber das hat heute schon zu. Also muss ich zur Feuerwehr gehen.  Zur Feuerwehr?. Ein bisschen komisch kommt es mir schon vor, aber nach dreimaligem Nachfragen versichert er mir, das die es sind, die im solchen Fällen für Verlustanzeigen zuständig sind. Wird schon so stimmen. Herzlich willkommen im Staat der Bürokratie. Herzlich willkommen in Österreich.

Ich bedanke mich freundlich und mache mich auf den Weg in Richtung Feuerwache, die gute zwanzig Minuten von der Polizeistation entfernt liegt. In der Zwischenzeit ist auch der Herr zu uns gestoßen. Gottseidank. Mir hilft es viel in dieser für mich so ärgerlichen Situation seelischen Beistand zu haben. Ich bin richtig durch den Wind.

Bei der Feuerwache angekommen beschleicht mich ein eigenartiges Gefühl. Was wenn die doch nicht zuständig sind? Aber wenn ich schon vom Polizisten hier her geschickt werde, dann wird das schon so stimmen. Oder? Ich klingle beim Portier und werde prompt hinein gelassen. Als ich ihm mein Anliegen näher bringe dann das: Mein Gefühl bewahrheitet sich. Für das sind sie hier nicht zuständig. Waren sie nie und werden sie so schnell auch nicht sein. Da müsse ich dann schon zur Polizei gehen... Nur Hallo? Von dort komme ich gerade! Ich bin auf hundertachtzig. Am liebsten würde ich ihn jetzt anschreien. Schön, dass die Info von der Polizei noch nicht zur Feuerwehr durchgedrungen ist. Oder vice versa. Wie auch immer. Das war dann wohl nichts für heute. Vielen lieben Dank, Herr Polizist - Freund und Helfer. Wäre ich gleich zum Magistrat gegangen, dann hätte ich mir viel Ärger erspart! Und Weg. Und Zeit.

Mittlerweile bin ich schon wieder unten. Hab mir den Frust von der Seele gegessen und geschrieben. Jetzt geht es am Montag weiter. Das Magistrat hat wochenends ja zu. Man darf gespannt sein, wie die Geschichte weiter geht. Drückt mir die Daumen, dass meine Geldtasche doch noch auftaucht!


EDIT (02.11.2k16)
Der Inhalt meiner Geldtasche ist mittlerweile wieder aufgetaucht. Am Sonntag kam der Anruf von einem aufmerksamen Mitbürger, der alle meine Karten in seinem Kellerabteil (!) gefunden hat. Ich bin so froh. Vielen lieben Dank fürs finden! Ein hoch auf die Zivilcourage!

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