Steine sind dazu da, um aus dem Weg geräumt zu werden - Berlin lässt grüßen - Madame M. - Geschichten aus dem Mama-Alltag

Steine sind dazu da, um aus dem Weg geräumt zu werden - Berlin lässt grüßen

Madame reist um die Welt. Wieder einmal. Okay, das 'um die Welt' ist nicht so wörtlich zu nehmen, denn diesmal geht es nämlich '...

Madame reist um die Welt. Wieder einmal. Okay, das 'um die Welt' ist nicht so wörtlich zu nehmen, denn diesmal geht es nämlich 'nur' nach Berlin. Die Blogfamilia ruft - und wir sind mit dabei. Zumindest Mama und Madame. Der Herr hat diesmal leider keine Zeit. Der hat anderweitige Verpflichtungen. Das ist zwar schade, aber wir zwei schaffen das auch gut alleine. Davon bin ich überzeugt.
 
Am Flughafen angekommen sind wir zwei super entspannt. Zumindest so lange, bis es zur Sicherheitskontrolle geht. Der Anfang verläuft auch relativ unkompliziert. Noch. Wir legen alles ab. Jacken. Gürtel und was wir sonst noch so piepsgefährliches anhaben. Legen  unser Handgepäck aufs Förderband. Madame geht durch die Kontrolle. Und ich will gleich hinterher. Ich muss nur noch den Kinderwagen zusammenklappen. Nichts leichter als das - dachte ich zumindest. Und hier beginnt der Spaß: Ich probiere es einmal. Zweimal. Dreimal. Nichts. Nach dem zehnten Mal immer noch unverändert. Der Kinderwagen lässt sich nicht kleiner machen. Rührt sich keinen Millimeter. Ich probiere es mit viel Schwung. Mit Gewalt. Mit allem, was mir so einfällt. Aber nein. Er will einfach nicht so wie ich das will. Mir wird richtig heiß. Gedanken kreisen in meinem Kopf herum: Was, wenn ich den Kinderwagen hier lassen muss? Berlin mit Madame nur zu Fuß - schaffe ich das? Ich probiere es weiter. Und weiter. Doch nichts. Selbst der nette Security-Mitarbeiter schafft es nicht das Wagerl zusammenzufalten. Keine Chance. langsam wird Madame unruhig. Mama ist es schon längst. Die Flughafenmitarbeiter sehen es gelassener und überprüfen den Kinderwagen eben im aufgeklappten Zustand. Alles easy. Dass da niemand früher drauf gekommen ist...
 

Egal. Mein Stress lässt nach. Endlich kann auch ich mich durch den Security-Check begeben. Doch auf einmal bemerke ich ihn. Schleichend breitet sich ein stechender Schmerz unter meinen Rippen aus. Der immer heftiger wird. Mir fällt es schwer zu atmen. Ich kann mich kaum bewegen. Was kann das nur sein? Ich versuche mir erst mal nichts anmerken zu lassen (nicht, dass die mich nicht mitnehmen) und spaziere durch den Checkpoint. Zum Glück gibt es gleich bei unserem Gate einen riesiger Spielbereich. So brauche ich mich erst einmal nicht um die kleine, äußerst aktive, Madame zu kümmern, sondern kann mich ganz dem Schmerz hingeben.Nur leider - egal was ich versuche - er geht nicht weg. Weder im Sitzen, noch im Stehen. Es wird nicht besser. Tränen steigen mir in die Augen, so weh tut es. Ich weiß nicht mehr weiter. Verzweifelt versuche ich den Herrn zu erreichen. Gedanklich sehe ich mich schon wieder auf dem Rückweg nach Graz. Das macht mich traurig. Denn beim Reisen (egal wohin) geht mir das Herz auf. Doch der weiß auch nicht weiter. Es liegt alles in meiner eigenen Verantwortung.
 
Schlussendlich treffe ich eine Entscheidung. Ich entscheide mich zu fliegen. Zähne zusammen beißen und durch. Wird schon irgendwie gehen, denke ich mir, als ich den letzten Call zum Boarding nach Berlin höre. Madame und ich machen uns auf den Weg zum Flieger. Sie spielt super mit. Ist super verständlich und versucht mich mit Bussis aufzuheitern. Dort angekommen dann das nächste: Der Wagen lässt sich noch immer nicht zusammenklappen. Ich komme wieder ins Schwitzen. Doch der erste Offizier sieht es gelassen. Und veranlasst ihn einfach so mitzunehmen. Im aufgeklappten Zustand. Mir fällt eine riesengroße Last vom Herzen.

Endlich sitzen wir im Flieger und rollen zur Landebahn. Ich habe eine Position gefunden in der es mit Madame am Schoß (sie ist ja noch keine zwei) einigermaßen erträglich ist. Auf einmal kommt die Durchsage: Wir haben einen technischen Defekt und müssen wieder umkehren. Ich muss zugeben, ich bin fast etwas erleichtert. Denn wenn wir wirklich nicht abheben können, dann ist das ein Zeichen. Ein Zeichen, um zu Haus zubleiben. Und das denke ich mir diesmal sogar ohne Wehmut in mir drinnen. Doch dann kommt es noch einmal anders und wir kehren doch wieder um. Um in Richtung Landebahn. Der Defekt konnte behoben werden, wir können doch fliegen. Na dann...
 

Im Flugzeug kann ich mich zum ersten Mal etwas entspannen. Madame fallen dank Turbinengeräusche gleich die Augen zu. Und ich werde auch immer träger. Bis ich wegschlummere. Die Ansage, dass wir nun bald landen reißt mich aus meinem Schlummerschlaf. Das erste was mir auffällt: Die Rippenschmerzen sind weg. Wie ich mich drehe und wende - es ist nichts mehr da. Ich fühle mich wie ein neuer Mensch. Alle meine Notfallpläne (vom verfrühten Heimfliegen über nur im Hotelzimmer bleiben) müssen nicht angewendet werden. Berlin - wir kommen!

In Berlin angekommen merken wir rasch: Berlin hat uns. Aber leider nicht nur uns. Dank eines enormen Verkehrsaufkommens brauchen wir mehr als zwei Stunden in die Stadt hinein. Kurz wird mir wieder heiß - was wenn unsere Hotelreservierung fremdvergeben wird (das dürfen die nämlich, wenn eine gewissen Uhrzeit überschritten wird)?!? Doch dort angekommen - Entwarnung. Das Zimmer ist noch da - wir können ohne Probleme einchecken. Was bin ich froh.
 


Nach einem ausgiebigen Bettenhüpftest machen wir uns auf, denn Berlin wartet! Hungrig. Und ohne Ziel (das Beste um die wahren Seiten einer Stadt zu erkunden) schlendern wir herum. Lassen uns treiben. Vom Alexanderplatz über die Hackeschen Höfe bis hin zur Museumsinsel. Alles zu Fuß. Versteht sich. Denn nur so bekommt man das Leben hautnah mit. Madame ist super gut gelaunt. Macht alles mit mir mit. Ohne Muh. Ohne Mah. Teilt sich mit mir einen Döner (wir konnten nicht widerstehen) und eine riesen Portion Eis. Hören den Straßenmusikern beim Musizieren zu. Beobachten andere Leute. Kurz gesagt: Wir machens uns einfach schön. Lassen es uns gut gehen. Genießen die Zeit zu zweit.
 

Denn der nächste Tag ist vollgepackt mit Programm. Wir sind nämlich bei der Blogfamilia, einer Familienblogger-Konferenz, mit dabei. Ich bin schon sehr gespannt, da mir im Vorfeld nur Lobeshymnen untergekommen sind. Wir lassen es auf uns zu kommen. Das, was ich daran ganz besonders toll finde: Das Event ist kinderfreundlich. Was soviel heißt wie es stört niemanden wenn dein Kind in den Workshops mit dabei ist. Und eine Kinderbetreuung gibt es auch. Und die ist es auch, die von uns gleich als erstes angesteuert wird. Ich bin zum zerreißen gespannt, ob Madame auch dort bleibt, kennt sie hier schließlich ja keinen. Und: sie bleibt tatsächlich. Ohne sich auch nur einmal nach mir umzudrehen. Aber bei dem tollen Spielzeug - da bin ich nun einmal abgeschrieben. Halb so schlimm für mich - so kann ich in Ruhe ein paar Vorträgen und Workshops beiwohnen.

Am Nachmittag beschließen wir kurzzeitig abzureißen. Aber das Wetter lockt uns einfach nach draußen. Außerdem hat Madame keine Lust mehr noch einmal in die Kinderbetreuung zu gehen. Ich kanns verstehen. Irgendwann werden selbst die besten Spielsachen langweilig. Also wars das für uns. Und machen uns beide auf, um noch einmal Berlin unsicher zu machen. Strawanzen die typischen Sightseeing Spots ab, machen da Halt wo es uns gefällt. Ohne (wieder einmal) ein Ziel vor Augen zu haben. Ich liebe es. Auch Madame, mein Reisemädchen, spielt wieder super mit. Toll, wie unkompliziert sie ist. Toll, wie weltoffen sie ist.
 

Am Abend fallen wir müde ins Bett. Mir tun die Füße richtig weh, von dem vielen Herumspazieren. So genießen wir noch eine letzte Nacht im Hotelbett, ehe es am nächsten Morgen wieder Richtung nach Hause geht. Diesmal zwischenfallslos!

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