Schleckermäulchen - Madame M. - Geschichten aus dem Mama-Alltag

Schleckermäulchen

Es ist in der Früh. Wir sitzen gerade in der Straßenbahn auf dem Weg zur Tagesmutter. Madame. Monsieur. und Ich. In Gedanken versunken scha...

Es ist in der Früh. Wir sitzen gerade in der Straßenbahn auf dem Weg zur Tagesmutter. Madame. Monsieur. und Ich. In Gedanken versunken schaue ich aus dem Fenster und genieße die Ruhe. Monsieur beschäftigt sich mit dem Inneren seines Kinderwagens. Und Madame, die hat einen Sitz ergattert und schaut ebenso aus dem Fenster. Beide Kinder sind also ruhig. Zu ruhig?

Ich wage es, einen Blick zu meiner Linken zu werfen. Und kann nichts Verdächtiges feststellen. Ausgezeichnet. Also mache ich weiter mit meiner Tagträumerei. Als es nach zwei Stationen immer noch so verdächtig ruhig ist (normal ist es nie so lange ruhig), drehe ich mich noch einmal um. Und schaue, was Madame so treibt.


Was ich da sehe gefällt mir nicht. So ganz und gar nicht. Madame kniet auf ihrem Sitz und schleckt seelenruhig die ganze Fensterscheibe ab. Von oben nach unten. Von links nach rechts. Ganz so, als würde sie genüsslich an einem Eis schlecken. Mir wird heiß und kalt gleichzeitig. Verstohlen werfe ich einen Kontrollblick um uns herum. Ob die anderen Passagiere was bemerkt haben? Vielleicht besteht ja noch die Chance das unter den Tisch zu kehren?

Fehlanzeige! Eine alte Dame blickt mich vorwurfsvoll an. Ein paar jüngere Leute lachen. Hitze steigt bis in meine Wangen hinauf. Ich kann förmlich spüren wie ich rot werde. Leise bitte ich Madame ihr Tun zu unterlassen. Denn noch mehr Aufmerksamkeit will ich nicht unbedingt erregen. Mir ist das Ganze schon peinlich genug. Doch sie zeigt keinerlei Reaktion. Ganz im Gegenteil. Munter schleckt sie die Scheibe weiter ab. Wie ein Hund (oder welche Tiere das auch immer machen).

Ich werde lauter. Und lauter. Doch Madame lässt sich immer noch nicht davon abbringen. Bis ich mir nicht mehr anders zu helfen weiß und sie auf meinen Schoß setze. Das passt ihr ganz und gar nicht. Was sie mir (und auch den anderen Fahrgästen) natürlich gleich lautstark kund tut. Herrlich. Also das Projekt 'Aufmerksamkeit vermeiden' ist gleich mal so richtig in die Hose gegangen...

Doch damit nicht genug. Leider ist es nicht bei dieser 'einmaligen' Aktion geblieben. Madame hat noch immer Gefallen daran so ziemlich alles, was ihr in die Quere kommt, abzuschlecken. Und ich bin (noch) nicht dahinter gekommen, wie ich ihr das abgewöhnen kann. Oder damit umgehen soll. Ihr Verhalten ignorieren? Sie immer wieder darauf anreden? Ich bin ehrlich gesagt so richtig ratlos. Das Wissen, dass die orale Phase bis zum fünften Lebensjahr dauern kann, macht es auch nicht besser. Sondern eher umgekehrt...

Geht das nur uns so?


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1 Kommentare

  1. Ach wie ich die Zeiten vermisse, in denen man noch ungestraft alles abschlecken durfte, was einem über den Weg lief :) Außerdem: U-Bahnscheiben stärken garantiert das Immunsystem.

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