Camping in der Toskana
Sommer, Sonne, Sonnenschein – Wir sind mitten in den Sommerferien und damit auch bald im Urlaub. Für uns geht es ein paar Tage in die Toskana. Uns – das sind natürlich Madame, Monsieur, der Herr und ich. Auto und Zelt inklusive, denn dieser Urlaub wird ein kleiner Campingurlaub.
Die Vorfreude ist riesig. Nachdem wir vor fünf Jahren schon einmal hier waren (wir konnten es selber gar nicht glauben, dass es wirklich schon so lange her ist), haben wir diesen Campingplatz nicht mehr aus unseren Köpfen bekommen. Deswegen muss ein erneuter Besuch her. Soweit also gut.
Ein neues Zelt ist besorgt. Der Rest ist gepackt. Das Auto bis zur hin Decke voll. Dabei haben wir, beziehungsweise ich, nur das allernotwendigste mit – immer noch zu viel, wie ich am Ende des Urlaubs feststellen muss. Wie auch immer. Es kann also losgehen.
Mitten in der Nacht starten wir in Richtung Livorno. Madame und Monsieur sind kaum wach zu bekommen und schlafen genüsslich im Auto weiter. Mama auch. Denn die erste Etappe übernimmt dankenswerter Weise der Herr und macht dabei richtig Meter. Um 0500 in der Früh – nach einem kurzen Kaffeestopp – übernehme ich das Steuer.
Das Lamborghini Museum.
Erstes Ziel: Modena. Oder besser gesagt: Sant’Agata Bolognese. Kenner können vielleicht erahnen, warum: Hier befindet sich das Lamborghini Werk und -Museum. Man muss nämlich wissen: Monsieur ist begeisterter Lamborghini Fan. Und da das Museum quasi am Weg liegt, wollen wir es auch besichtigen.
Natürlich sind wir viel zu früh dort. Deswegen vertreiben wir uns die Zeit mit einem Spaziergang durch den Ort. Und einen Kaffee. Das einzige offene Cafe in Sant’Agata ist zwar nicht sonderlich sympathisch. Aber der Kaffee schmeckt. Einigermaßen.
So vergeht die Zeit und wir können endlich ins Museum. Die Spannung ist groß. Die Enttäuschung auch. Das Museum hat im August nämlich gar nicht zur Gänze offen. Die Werksführung kann man leider nicht machen. Das hätte ich im Vorfeld wohl genauer recherchieren müssen… So gibt es genau zwei Ausstellungsräume zu besichtigen. Die sind zwar ganz toll, aber in meinen Augen rechtfertigen sich damit die fünfzig Euro Eintritt nicht wirklich. Für den Preis habe ich schon bessere Museen gesehen. Mein Fazit: Einen Besuch kann man machen, wenn man mal in der Gegend ist – extra dafür hinfahren lohnt sich nicht.
Der Campingplatz.
So hätten wir das also auch abgehakt. Wir machen uns weiter auf den Weg zu unserem eigentlichen Ziel in Richtung Toskana. Genauer gesagt geht es nach Marina di Castagneto, genauer gesagt auf den Campingplatz Etruria, den wir nach guten drei Stunden Fahrt endlich erreichen. Nur um festzustellen, dass es für unsere geplanten fünf Nächte gar keinen freien Zeltplatz mehr gibt. Wir hätten vorher reservieren müssen, heißt es. Nichts mehr also mit dem romantischen Gedanken der Flexibilität beim Campen.
Nach ein bisschen Hin und Her kann man uns einen Kompromiss anbieten: Einen Platz für die ersten beiden Nächte. Und einen anderen Platz für weitere zwei Nächte. Zwar eine Nacht kürzer als geplant, Umzug inklusive, aber besser als nichts. Wir schlagen zu, denn ein anderer Campingplatz kommt nicht in Frage – zu sehr haben wir uns schon darauf gefreut, wieder hier sein zu dürfen. Was lernen wir: Vorab reservieren ist mittlerweile scheinbar schon fast ein Muss. Auch auf Campingplätzen.
Das Zelt ist schnell aufgestellt und eingerichtet. Der Urlaub kann beginnen. Wobei – unser erster Weg führt uns direkt in die Campingplatz eigene Pizzeria. Denn der Hunger muss zuerst gestillt werden. Außerdem ist es mittlerweile doch schon recht spät geworden. Allerdings ist uns das Wetter nicht besonders hold – sobald wir uns hingesetzt haben, beginnt es zu regnen. Deswegen entscheiden wir uns dazu, Pizza to go zu nehmen und am Platz zu verspeisen. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellt, denn kurze Zeit später beginnt ein Gewitter, welches noch bis in die Nacht andauern wird.
Abenteuer pur für den Herrn, der auf Überwachungsmodus im Zelt sitzt und abwarten, während Madame, Monsieur und ich gemütlich schlafen. Herrlich. Ich hatte ganz vergessen, wie gemütlich ein Zelt bei Regen sein kann.
Ich hatte sogar ganz vergessen, wie gemütlich Camping eigentlich ist. Wir leben in den Tag hinein. Ganz ohne ein fixes Programm zu haben. Machen was zu essen, wenn sich der Hunger meldet und schlendern zwischen Zeltplatz, Meer und Pool herum. Je nach Lust und Laune.
Wobei ich zum Thema Pool erwähnen muss – ganz so vom Hocker wie beim Letzten Mal haut er uns in diesem Jahr nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir einfach schon etwas rausgewachsen sind. Vor fünf Jahren waren die Pool-Anlagen perfekt für Madame und Monsieur. Dieses Jahr merkt man, dass das alles eher für kleine Kinder gedacht ist. Es ist alles sehr seicht. Und auch die Rutschen rutscht man höchstens im Schneckentempo hinunter.
Das Meer hingegen ist toll. Es gibt einen eigenen Strand nur für Campinggäste, wo man, wenn man möchte, sich auch Liegen und einen Sonnenschirm mieten kann. Es gibt Wellen zum Hüpfen und man kann ewig lang den Strand entlang spazieren.
So toll das Camperleben auch ist, so richtig rund fühlt es sich für mich nicht an, die ganze Zeit nur am Campingplatz zu sein – ich will raus und sehen, was es alles hinter den Toren zu erkunden gibt. Deswegen starten wir gleich am zweiten Tag eine Expedition in den Supermarkt und noch weiter.
Bolgheri Green.
Und zwar führt es uns direkt ins Hinterland. Zum Bolgheri Green. Ein Lokal mit Picknickwiese und Farm-to-Table-Konzept, das es uns schon vor fünf Jahren angetan hat.
Total unkompliziert. Man sitzt auf der Wiese, während man sich vegetarische Köstlichkeiten genehmigt. Keine große Inszenierung – und genau das macht es so besonders.
Dabei fällt mir besonders auf: Neben uns sitzen quasi nur Italiener. Und viele Kinder. Während es in Österreich nicht immer Mode ist, seine Kinder auch zu späterer Stunde mitzunehmen, ist es hier das Normalste auf der Welt. Kinder sind als Selbstverständlichkeit mit dabei, Eltern sitzen noch gemütlich bei einem Glas Wein zusammen und niemand schaut auf die Uhr. Liebe ich sehr, denn das ist das Leben.
Hier stimmt einfach alles. Der entspannte Vibe, das Essen und auch die Drinks sind richtig gut. Dazu diese wunderschöne Mischung aus Natur, gutem Essen und Menschen, die einfach einen schönen Abend miteinander verbringen.
Wir könnten hier Stunden verbringen. Einfach sitzen, essen, trinken,die Gedanken schweifen lassen und irgendwann feststellen, dass es längst dunkel geworden ist.
Und weil wir beim ersten Mal schon wussten, dass wir wiederkommen müssen, tun wir es auch jetzt wieder und kommen ein zweites Mal.
Forte dei Marmi.
Ehe wir uns versehen, sind die vier Nächte auch schon wieder herum. Es heißt Abschied nehmen vom Campingplatz. Wir entscheiden uns eine Nacht dranzuhängen und nach Mailand zu fahren. Madame will unbedingt hin. Der Herr auch. Mir ist’s sowieso recht. Mehr als nur recht. Denn einen Tag früher als ursprünglich geplant nach Hause zu fahren, geht natürlich gar nicht. Logisch. Und Monsieur, der muss sowieso mit.
Ein Blick auf Maps verrät: Forte dei Marmi liegt am Weg. Ein Ort, der total gehyped sein soll, wenn man so manchem Menschen Glauben schenken darf. Also nichts wie los.
Nach knapp einer Stunde Fahrt sind wir auch schon da. Und werden begrüßt von einem Lamborghini nach dem anderen, Bentleys und allerlei anderen Sportwagen. Ein Traum für unseren kleinen Autofan. Hat sich also für ihn schon ausgezahlt.
Auch der Strand kann sich sehen lassen. Auf den ersten Blick sehr typisch italienisch. Erst wenn man genauer hinschaut, erkennt man, dass es sich hier um unzählige kleine Beachclubs handelt, in denen man vermutlich ziemlich schnell ein kleines Vermögen loswerden kann.
Auch der Ort dahinter ist sehr gepflegt. Eine Luxusboutique reiht sich an den nächsten. Alles ist tipptopp in Schuss und wie wir beobachten, dürfte das Fahrrad hier eines der Hauptverkehrsmittel sein. Richtig toll.
Ich könnte es hier auf jeden Fall länger aushalten. Doch wir wollen ja heute noch weiter. Mailand ist unser auserkorenes Ziel. Und dorthin sind es noch knapp drei Stunden Fahrt.
Ich kenne die Stadt aus zwei Perspektiven: Als Kind habe ich sie ziemlich schmutzig in Erinnerung. Als junge Erwachsene hat sie mir richtig gut gefallen. Ich bin also schon sehr gespannt, wie das Urteil dieses Mal ausfallen wird. Noch viel gespannter bin ich allerdings darauf, wie es Madame, Monsieur und dem Herrn gefallen wird.
Die Einfahrt in die Stadt: chaotisch. Ich bin froh, dass der Herr am Steuer sitzt. Unser Hotel ist schnell gefunden, die empfohlene Tiefgarage eher weniger überzeugend. Vor allem, weil ich kurz davor noch großartige Horrorgeschichten über gestohlene Dinge aus Autos – von Bekannten, wohlgemerkt – erzählt bekommen habe. Die Garage ist mir jedenfalls nicht ganz geheuer. Dem Herrn noch weniger. Also entscheiden wir uns für die nächste. Die ist zwar ein bisschen teurer, sieht dafür aber aus wie eine ganz normale Garage und hat Videokameras. Das Gefühl ist gut. Wir kommen an.
Das Hotel ist super. Der Hunger ist groß. Also suchen wir uns etwas zu essen. Gleich ums Eck werden wir fündig. Allerdings müssen wir feststellen: Essen ist hier um einiges teurer als in der Toskana. Wirklich um einiges. Dafür schmeckt es. Und zwar richtig gut.
Später will ich nicht einfach im Hotel herumsitzen. Vor allem nicht, wenn wir ohnehin nur eine Nacht hier sind. Also entschließen wir uns, noch in die Innenstadt zu fahren. Zum Mailänder Dom. Das Wohlgefühl dort hält sich allerdings in Grenzen. Zu viele Menschen. Zu viele Menschen, die einem irgendwas verkaufen wollen. Irgendwie ist uns das gerade zu viel.
Am nächsten Tag ist das Gefühl schon ein ganz anderes. Ausgeschlafen und bei Tageslicht sieht die Stadt um einiges freundlicher aus. Um unsere verbleibende Zeit maximal auszunutzen, entscheiden wir uns für den Hop-on-Hop-off-Bus. Ich liebe solche Busse. Man bekommt in relativ kurzer Zeit richtig viel von einer Stadt zu sehen und kann sich danach entscheiden, was man sich noch genauer anschauen möchte. Wir steigen allerdings nirgendwo aus. Wir bleiben einfach sitzen. Zum Einen aus Bequemlichkeit. Zum Anderen aus Mangel an Zeit. Wie auch immer – so bekommen wir einen richtig tollen Überblick über Mailand. Gefällt uns allen.
Und dann ist er auch schon vorbei, unser kleiner Roadtrip durch die Toskana. Vier Nächte, viele Eindrücke, viel gutes Essen, viel zu viele schöne Orte und natürlich viel zu wenig Zeit.
Jetzt geht es wieder nach Hause. Koffer auspacken, Wäsche waschen, Alltag.
Wobei – Alltag ist vielleicht das falsche Wort. Denn lange hält er bei uns nicht an. Keine Woche später sind wir schon wieder on Tour – Aber das ist eine andere Geschichte…









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